Nominierte Projekte für den Waldpreis 2026
Fünf Projekte aus St. Gallen und Liechtenstein haben die Jury des Waldpreises 2026 besonders überzeugt. Sie zeigen auf eindrückliche Weise, wie vielfältig Engagement für den Wald sein kann – von der Förderung der Biodiversität und der Anpassung an den Klimawandel über Waldpädagogik bis hin zur Aufwertung von Erholungsräumen.
Die nominierten Projekte stehen stellvertretend für Menschen und Organisationen, die Verantwortung übernehmen und mit innovativen, nachhaltigen Ideen den Wald von heute und morgen gestalten.
Wer den Waldpreis 2026 gewinnt, wird an der Generalversammlung von Wald St. Gallen & Liechtenstein am 6. November 2026 in Schänis bekannt gegeben.
Projekt 1: Seltene Baumarten pflanzen – gemeinsam für den Wald von morgen
Seit 2011 verbindet das Projekt «Seltene Baumarten pflanzen» der Waldregion Toggenburg Waldpädagogik, Biodiversitätsförderung und Klimaanpassung. Jedes Jahr pflanzen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Förstern seltene und klimafitte Baumarten und leisten damit einen konkreten Beitrag für einen vielfältigen und widerstandsfähigen Wald.
Im Toggenburg sind die Wälder traditionell stark von Fichte und Tanne geprägt. Mit dem Klimawandel wird eine grössere Baumartenvielfalt immer wichtiger. Deshalb werden gezielt seltene, wärmeliebende Laubhölzer und weitere geeignete Baumarten gepflanzt, die den Wald langfristig widerstandsfähiger machen.
Besonders wertvoll ist die Verbindung von praktischem Naturschutz und direkter Umweltbildung: Jedes Kind pflanzt seinen eigenen Baum, schützt ihn vor Wildverbiss und erlebt den Wald unmittelbar. So entsteht eine persönliche Beziehung zur Natur und ein Bewusstsein dafür, wie wichtig der Wald für kommende Generationen ist.
Was 2011 als Aktion begann, ist heute eine feste Tradition im Toggenburg. Gemeinsam mit Schulen, Revierförstern, Gemeinden und Waldeigentümern entsteht Jahr für Jahr ein Stück Wald von morgen.
Projekt 2: Starke Bäume für den Wangser Schutzwald
Nach dem Orkan «Vivian» von 1990 lag auf rund 90 Hektaren am Wangserberg ein rund 150-jähriger Fichtenbestand am Boden. Aus dieser grossen Schadensfläche entstand ein langfristiges Wiederherstellungsprojekt mit einer klaren Vision: Ein vielfältiger, stabiler und klimaresistenter Schutzwald soll wieder Menschen, Siedlungen und Infrastruktur schützen.
Seit 1991 wird der Wald konsequent und langfristig entwickelt. Neben der Schutzfunktion stehen dabei die Förderung der Biodiversität und eine vielfältige Baumartenzusammensetzung im Zentrum. Der Laubholzanteil konnte von ehemals sehr gering auf rund einen Drittel erhöht werden. Gleichzeitig werden Lärche, Bergahorn, Buche und weitere standortgerechte Baumarten gefördert.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die jahrzehntelange Zusammenarbeit zwischen Ortsgemeinde, Forstdienst, Forstbetrieben, Kanton und Jägerschaft. Gemeinsam wurden Lösungen für Herausforderungen wie den hohen Wildverbiss und die schwierigen Standortbedingungen gefunden.
Heute zeigt der Wangser Schutzwald eindrücklich, was mit Weitsicht, Kontinuität und konsequenter Pflege über Generationen erreicht werden kann: Aus einer der grössten Sturmflächen der damaligen Schweiz ist ein artenreicher und stabiler Wald entstanden – ein Schutzwald für die Menschen von heute und für kommende Generationen.
Projekt 3: Umgestaltung Föhrenwäldli
Mit der Umgestaltung des Föhrenwäldli in Schmerikon entsteht ein naturnaher Erlebnis- und Begegnungsraum für die ganze Bevölkerung. Das seit Jahrzehnten beliebte Naherholungsgebiet war durch Trockenperioden, abgestorbene Bäume und die hohe Besucherfrequenz zunehmend belastet. Mit einer nachhaltigen Neugestaltung wird das Waldgebiet ökologisch aufgewertet und gleichzeitig als attraktiver Ort für Erholung, Spiel und Bildung weiterentwickelt.
Im Zentrum stehen Naturerlebnis, Umweltbildung und Begegnung. Ein interaktiver Themenweg vermittelt spielerisch Wissen über Wald, Biodiversität, Klimawandel und natürliche Kreisläufe. Begleitet werden die Besucherinnen und Besucher dabei von der Erzählfigur «Prof. Dachs», die insbesondere Kindern einen emotionalen und leicht verständlichen Zugang zu den Themen des Waldes ermöglicht.
Auch der Spielplatz sowie die Feuer- und Aufenthaltsbereiche wurden naturnah gestaltet. Natürliche Materialien, vielfältige Spielmöglichkeiten und neue Begegnungsorte verbinden Erholung und Naturerfahrung. So soll das Föhrenwäldli zu einem generationenübergreifenden Lern-, Erlebnis- und Lebensraum werden und die Beziehung der Menschen zum Wald nachhaltig stärken.
Das seit 2024 laufende Projekt wird von der Gemeinde Schmerikon, der Ortsgemeinde Schmerikon und dem Verkehrsverein Schmerikon getragen und gemeinsam mit Fachpersonen aus Forst und Landschaftspflege umgesetzt.
Projekt 4: Zukunftswald – den Wald für morgen gestalten
Mit dem Projekt «Zukunftswald» entwickelt die Ortsgemeinde Wil ihre Wälder aktiv für die Herausforderungen des Klimawandels und die Bedürfnisse kommender Generationen. Dabei geht es nicht um einen einmaligen Eingriff, sondern um eine langfristige Weiterentwicklung der Waldbewirtschaftung. Ziel ist ein vitaler, widerstandsfähiger und vielfältiger Wald, der auch künftig Schutz, Erholung, Biodiversität und nachhaltige Holzproduktion miteinander verbindet.
Zum Zukunftswald gehört auch eine neue Unternehmenskultur im Forstbetrieb. Die Forstwarte übernehmen neben den klassischen Waldarbeiten zusätzliche Verantwortung – etwa bei der digitalen Datenerfassung, der Holzanzeichnung, Dokumentation und Kommunikation. Durch gezielte Weiterbildung werden traditionelle forstliche Kompetenzen mit modernen digitalen Fähigkeiten verbunden. Das schafft abwechslungsreiche Arbeitsplätze, stärkt die Eigenverantwortung und macht den Beruf des Forstwarts attraktiver.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die offene und proaktive Kommunikation. Über Social Media, Videos, Informationstafeln mit QR-Codes und Waldführungen wird der Bevölkerung erklärt, weshalb im Wald welche Massnahmen umgesetzt werden. So soll Verständnis entstehen und das Vertrauen in die Arbeit des Forstbetriebs gestärkt werden.
Der «Zukunftswald» ist damit mehr als ein waldbauliches Projekt: Er steht für einen vorausschauenden Umgang mit dem Wald, moderne Arbeitsweisen und die Bereitschaft, heute Entscheidungen für die nächsten Generationen zu treffen.
Projekt 5: Waldgeflüster – Tiere als Botschafter des Waldes
«Waldgeflüster» verbindet Natur, Wissen und Erlebnis und macht die Bedeutung des Waldes auf kreative und emotionale Weise erlebbar. Im Mittelpunkt stehen Waldtiere, die als Botschafter für Biodiversität, Naturschutz und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Wald auftreten.
Das von der Gemeinde Schaan gemeinsam mit dem Forstbetrieb entwickelte Projekt knüpft an die erfolgreichen Aktivitäten «Waldtiere als Botschafter des Waldes» an, die seit 2023 kontinuierlich weiterentwickelt werden. Mit einer digitalen Blogserie und einem interaktiven Kinderbuch werden insbesondere junge Menschen angesprochen und für die vielfältigen Funktionen des Waldes sensibilisiert.
Das Buch verbindet Geschichten und Interviews mit Waldtieren, Wissensboxen, Rätsel, Spiele und Mitmachaufgaben. QR-Codes führen zu ergänzenden Videos und praktischen Ideen, die dazu einladen, den Wald selbst zu entdecken.
«Waldgeflüster» schafft damit eine Verbindung zwischen moderner Umweltbildung, digitaler Kommunikation und traditionellem Buch. Ziel ist es, Neugier und Verständnis zu wecken und eine langfristige, emotionale Beziehung zwischen Mensch, Wald und Region zu fördern.