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Hoher Stand der Biodiversität in Schweizer Land- und Waldwirtschaft Drucken E-Mail
Freitag, 23. April 2010 06:23
Der Schweizerische Bauernverband (SBV) und der Verband Waldwirtschaft Schweiz (WVS) sind mit dem Schlussbericht «Der Wandel der Biodiversität in der Schweiz seit 1900 - Ist die Talsohle erreicht?» des Forschungsprojekts von Agroscope und des Forums Biodiversität nicht einverstanden. Schon gar nicht nachvollziehen können sie die daraus abgeleiteten politischen Forderungen. Die Studie blendet den im internationalen Vergleich hervorragenden Stand der Biodiversität in der Schweizer Land- und Waldwirtschaft weitgehend aus. Es muss der Schluss gezogen werden, dass die Ergebnisse des Berichts mehr politisch denn sachlich motiviert sind.
 
Biodiversität in der Schweizer Landwirtschaft
Die Schweizer Landwirtschaft hat in den letzten 20 Jahren grosse Anstrengungen zur Förderung der Biodiversität unternommen. Im erwähnten Schlussbericht wird die Landwirtschaft jetzt aber an erster Stelle für den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich gemacht. Der SBV ist mit dieser Beurteilung nicht einverstanden. Heute werden 98% der landwirtschaftlichen Nutzfläche nach den Anforderungen für den Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) bewirtschaftet. Seit 2001 ist mit der Ökologischen Qualitätsverordnung eine weitere Grundlage für die Aufwertung der ökologischen Flächen in Sachen Qualität und Vernetzung In Kraft. Darüber hinaus wurde der Verbrauch von Mineraldüngern und Pflanzenschutzmitteln seit 1990 drastisch reduziert. Weiter produzieren heute zehn Prozent der Schweizer Bauern nach Biorichtlinien und weitere zwei Drittel nach der Integrierten Produktion. Die Schweizer Bauernfamilien erbringen damit zusätzliche ökologische Leistungen weit über das von der Politik vorgegebene Mass hinaus.
 
Alle diese Argumente zeigen: Die Schweizer Landwirtschaft nimmt ihre Verantwortung für die Natur wahr. Der Schweizer Landwirt weiss, dass er für eine nachhaltige Produktion auf eine grosse Artenvielfalt angewiesen ist. Der Vorwurf, primär die Landwirtschaft sei für den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich, ist aus Sicht des SBV deshalb unhaltbar.
 
Vielmehr scheint es, als hätten die Autoren des Schlussberichts Ihre Augen bewusst vor einer anderen Tatsache verschlossen: Durch den Siedlungs- und Strassenbau gehen heute in einem ungeheuren Ausmass wertvolle Grünflächen definitiv verloren, welche für den Erhalt der Artenvielfalt wichtig wären. Dieser Kulturlandverlust ist heute aber in keiner Art und Weise an Auflagen zur Förderung der Biodiversität gebunden. Besteht nicht in erster Linie hier konkreter Handlungsbedarf?
 
Biodiversität in der Schweizer Waldwirtschaft
Gemäss dem am 16. März 2010 von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) veröffentlichten Schlussbericht des dritten Landesforstinventars (LFI3) wird der Schweizer Wald immer naturnaher, verjüngt sich vermehrt natürlich, weist einen stetig kleineren Anteil fremdländischer Baumarten auf und erfährt eine laufende Zunahme der Baumarten- und Strukturvielfalt. Zudem ist der Totholzanteil in den letzten Jahren um 80 Prozent gestiegen. Auch der jüngste Zwischenbericht des Biodiversitätsmonitoring Schweiz (BDM) von 2009 stellt dem Schweizer Wald ausgezeichnete Noten aus.
 
Umso befremdlicher sind für den WVS die Schlussfolgerungen des Forums Biodiversität für den Wald. Die Forderung nach noch mehr Totholz und einem Flächenziel für Waldreservate, welches über den breit abgestützten Konsens von 10 Prozent der Waldfläche hinausgeht, sind sachlich unbegründet und schiessen weit über das Ziel hinaus. Der Erhalt und die Förderung der Biodiversität ist bereits heute nicht nur eine wichtige Leitlinie der Schweizer Waldwirtschaft, sondern auch der Waldgesetzgebung und Waldpolitik. Hinzu kommt, dass gegen 60 Prozent der Waldfläche gemäss FSC oder PEFC zertifiziert sind. Diese beiden Labels legen ein besonderes Gewicht auf die Biodiversität.
 
Fazit
Die im Bericht erhobenen Forderungen gegenüber der Land- und Waldwirtschaft sind vor dem Hintergrund der laufenden Ausarbeitung der «Biodiversitätsstrategie Schweiz» mehr politisch motiviert denn sachlich begründet. Der Bericht widerspricht verschiedenen anderen Studien, welche der Schweizer Land- und Waldwirtschaft in Sachen Biodiversität ein gutes Zeugnis ausstellen. Die grossen und oft über das gesetzliche Mass hinausgehenden Anstrengungen der Schweizer Bauern, Waldeigentümer und Forstleute für die Biodiversität werden denkbar schlecht honoriert. Im Gegenteil: Der Bericht mit seinen Forderungen schadet unnötigerweise dem Image der Schweizer Land- und Waldwirtschaft. Der SBV und der WVS beurteilen den Bericht als ungerechtfertigt und unverantwortbar.
 
Waldwirtschaft Schweiz (WVS):
Schweizerischer Bauernverband (SBV):